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Madrid – Salamanca – Toledo

Meine persönlichen drei Hotspots der Reise im Juni durch Zentralspanien. Auch wenn ich von Madrid nur einen ersten Eindruck gewinnen konnte, hat es mir dort unwahrscheinlich gut gefallen. Schon wegen der nicht besuchten Museen und dem Retiro-Park muss ich da noch mal hin. Die Casa-Lis möchte ich gerne in Salamanca besuchen und einfach mal bei ein paar Tapas dem abendlichen Treiben auf der Plaza Mayor zuschauen. Und dann Toledo… da geht mein Herz auf!

Madrid

Plaza de Oriente mit Palacio Real
Blick auf Neu-Madrid
Am Mercado de San Miguel
Im Bahnhof Atocha
Die Bronzegruppe im Bahnhof Atocha heißt “Die Reisenden”. Hier: Kofferdetail

Salamanca

Plaza Mayor
Zierzinne des Palacio de Monterrey
im Patio der Casa de las Conchas
die Römische Brücke über den Rio Tormes
Rio Tormes
Casa Lis (Jugendstil Museum)

Toledo

Blick über den Rio Tajo auf Toledeo (Kathedrale und Alcazar)
Stadtplan im Pflaster am Bisagra-Tor
Kathedrale von Toledo

In der Kathedrale von Toledo

San Juan de los Reyes

Brücke San Martin und Ansicht Juan de los Reyes
Blick von der Brücke San Martin
Alcantara-Brücke
Auf der Alcantara-Brücke
Tschüss Toledo, bis bald!

Ich hoffe Euch haben meine Eindrücke aus Madrid, Salamanca und Toledo gefallen. Mögt Ihr solche Fotogalerien?

Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***

Madrid & Kastilien – was ich sonst noch sah

Wer meinen Reisebericht gelesen hat, der weiß, dass ich unglaublich viel gesehen habe. Dies mag ein ungewöhnlicher Blogpost sein, denn statt Text gibt es überwiegend Fotos zu sehen. Unterteilt nach den Orten, die schön waren, die ich aber nicht unbedingt erneut besuchen werden:

Ávila

Ein erster Blick über die Mauer von Ávila
Vor der Mauer
Es grünt so grün wenn Spanien’s Blüten blühen…
Mauerzinnen an blauem Himmel (die Ruhe täuscht, es war seeehr windig)
über den Dächern von Ávila
Ausblick, auf der Mauer

El Escorial

Seiteneingang des Klosterpalastes
Hauptfassade mit Vorplatz
Rückseite des Klosterpalastes
Blick über die Mauer in den Klostergarten.
Blickrichtung Madrid. Der See in der Bildmitte, ist ein Wasserspeicher für Madrid. Das Wasser in der Hauptstadt kommt von dort.
Dachgauben, Bäume und Berge
Noch ein Brunnen

Segovia

Am Aquädukt von Segovia. Die Punkte auf den Steinen sind eigentlich Dellen, die beim Bau der Römer entstanden sind. Mit einer Art Zange wurden die einzelnen Steine nach oben gezogen.
Im ehemaligen Judenviertel. Schön hier. Mein Plätzchen für die Mittagspause.
Eckhaus am Paseo del Salon de Isabel II
San Martín
Blick auf Kathedrale und San Andrés
Bank an San Martín
Landschaft um Segovia
Ausblick in die Landschaft am Alcazar
Dramatischer Himmel
Das Wetter wird besser. Den neuen Regenschirm brauche ich wohl nicht…
Wolkenküche in der Altstadt von Segovia

Cuacos de Yuste

Monasterio de Yuste

Ich hoffe Euch haben diese zusätzlichen Reiseeindrücke gefallen.

Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***

Über… die Unabhängigkeit

Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht? Mich hat das derletzt einige Tage beschäftigt. Das kam nämlich so: In der Bahn wurde ich unfreiwillig Ohrenzeugin eines Gespräches von zwei Frauen. Im Verlauf dieses Gesprächs fiel die Formulierung ” meine Unabhängigkeit habe ich mir hart erkämpft”. Das war der Startschuss für meinen Gedankenmarathon. Das Thema lies mich eine Weile nicht mehr los.

Die Unabhängigkeit erkämpft?

Oh ja, das habe ich tatsächlich. Meiner Meinung gehört dieser Kampf zum Leben dazu und im Grunde ist dieser Prozess nie wirklich abgeschlossen. Meine erste wirkliche Kampfphase war als junge Studentin. Meinen Weg ins Leben oder auch ins Berufsleben musste ich mehr erkämpfen. Ich habe mich schwer getan im ersten Jahr in Konstanz. Für alles selbstverantwortlich zu sein und mich auf das Studium zu konzentrieren, das hat mich fast überfordert. Ich war von Heimweh geplagt. Es war eine extrem schwierige Zeit. Erst als ich mich von meinen naiven Vorstellungen verabschiedet habe, ging es besser. Eine weitere harte Kampfphase, war die Zeit als ich mich von meinen Erwartungen an meine Vorstellungen vom Familienidyll mit Mann und Kindern im eigenen Haus mit Garten und Hund verabschieden musste. Auch der Abschied von meinem Vater hat ähnliches mit sich gebracht. Durch seinen Tod fiel er logischerweise als Ratgeber und Fels in der Brandung aus. Ich musste diese Aufgaben abermals selber übernehmen. Auch den Erwartungen, die von außen an mich heran getragen werden, aber mich oft überrannt und ich musste lernen, sie nicht so ernst zu nehmen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder solche Phasen im Leben hat und solche Kämpfe ausgefochten hat. Möglicherweise gerade ausfechten muss.

Die Unabhängigkeit – Ein Definitionsversuch

Man kennt die Unabhängigkeit aus dem Völkerrecht, also die eines Staates (man denke dabei nur an die Unabhängigkeitserklärung der USA), die Richter sind unabhängig oder die Formulierung “Unabhängige Stichprobe”. Wichtige Bereiche, aber darum soll es hier heute gar nicht gehen. Vielmehr möchte ich ganz konkret bleiben.

Seit ich meine eigenen “Unabhängigkeitskrieg” durchlebt habe, ist es für mich selbstverständlich geworden. Etwas erschreckt mich dieser Gedanke, denn ich weiß, dass das für viele nicht so ist. Also sollte ich dieses Recht mehr schätzen. Dennoch was bedeutet das für mich ganz konkret? Eigene Entscheidungen treffen. Eine eigene Meinung zu haben. Freibestimmt zu leben. Reisen wohin ich will. Letztlich bin ich nur mir selbst verpflichtet und muss mich für nichts rechtfertigen. Jedoch meine Unabhängigkeit ist nicht gleichzeitig deine Unabhängigkeit. Sie ist individuell geprägt. Was ist also der kleinste gemeinsame Nenner?

Unabhängigkeit ist immer relativ

Wikipedia definiert die Unabhängigkeit als Grad an Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Ganz schön sperrig. Mein Leben ist aber tatsächlich völlig selbstbestimmt und selbstständig. Dennoch kann es wohl eine 100prozentige Unabhängigkeit nicht geben. Meine Unabhängigkeit kommt dort an natürliche Grenzen, sobald sie die Rechte anderer tangiert.

Und doch… es gibt auch Abhängigkeiten

Staat und Gesellschaft bilden einen Handlungsrahmen, in dem wir zwar frei agieren können, wir uns jedoch an Gesetze und Normen halten müssen. Beispiel Steuern, darüber mag man sich ärgern, aber umgehen kann man sie nicht (es sein denn man hat kriminelle Energie). Aus der Nummer kommt man nicht raus. Was bleibt ist eine gewisse Einflussmöglichkeit z. B. durch das Wählengehen.

Im Job können wir auch nicht gänzlich unabhängig handeln. Es gibt immer Regeln an die man sich halten muss, egal wie sinnvoll oder unsinnig sie erscheinen mag. Auch Selbstständige sind abhängig, von Aufträgen und den Kundenwünschen.

Sogar im häuslichen Umfeld gibt es Abhängigkeit. Der Vermieter will regelmäßig seine Miete. Die Nachbarn fordern das Einhalten der Hausordnung. Was auch immer…

Fazit

Auch wenn ich mir meine Unabhängigkeit hart erkäpfen musste, ich selbstständig und selbstbestimmt leben kann, gibt es Bereiche in denen ich abhängig bin. Die Möglichkeit auszusteigen oder Grenzen zu ziehen, bleibt immer.

Die Unabhängigkeit ist also relativ. Ich kann freilich immer weiter an ihr arbeiten, trotz dem ist auch mein Leben endlich. Daran wird die Unabhängigkeit nichts ändern.

Deine Meinung interessiert mich, lass doch mal einen Kommentar da.

Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***

{Listenliebe} Meine Ankerpunkte des Jahres

Meine liebsten Ankerpunkte im Jahr, ohne die ist das Jahr irgendwie falsch:

Januar

Der Tag an dem die Vögel morgens erstmals laut zu hören sind und der Tag an dem um 17:00 Uhr noch etwas Abendhimmel zu erkennen ist.

Februar

Die Sichtung von allen möglichen Knospen und Blüten.

März

Magnolienblüte und der erste Bärlauch.

April

Der erste Spargel.

Mai

Warten auf den Einzug der Mauersegler, Föhrzeit und erste Abende auf dem Balkon

Juni

Die ersten Erdbeeren, Mittsommer, Abschied, denn jetzt werden die Tage wieder kürzer.

Juli

Laue Sommerabende und Brombeerzeit.

August

Endlich (Schul-)Sommerferien, dann ist die Straßenbahn morgens so schön leer und Sternschnuppennächte.

September

Kürbis, Dahlien und erste Kastanien.

Oktober

Buntes Herbstlaub, Zeit für Herbstwind und wunderschönes Licht.

November

Letzte Sonnennachmittage auf dem Balkon genießen und Lebkuchen schmeckt nur im November.

Dezember

Kerzenlicht, Geburtstagsstimmung und Weihnachtsbaum. Wintersonnenwende, dann werden die Tage wieder länger. Die Tage zwischen den Jahren und die Rauhnächte.

Hast Du auch solche Fixpunkte? Worauf freust Du Dich?

Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***

Ein Dezemberwochenende in Paris

Ich war in Paris. Alleine. An einem sonnigen Samstag kam ich dort an. Es war mein Geburtstag und es war eiskalt. Diese Reise war ein großes Abenteuer für mich. Für mich wurde dadurch ein großer Traum wahr. Heute teile ich meine Erlebnisse, Eindrücke und Reisegedanken mit Euch. Das hat eine kleine Weile gebraucht, bis ich das tun konnte. Aber nun ist es endlich soweit. Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die behaupten, dass diese Reise nie stattgefunden hat. Dem ist nicht so. Ich habe soviele Eindrücke, über Paris, über das Reisen und nicht zuletzt auch über mich mitgebracht, dass die Verarbeitung eine Weile gedauert hat. Für mich war diese Reise wichtig und deswegen wollte ich sie mir nicht zerreden lassen. Wollte nicht sofort erzählen wo ich überall war. Was ich gesehen habe und was nicht. Ich wollte diesen Schatz einfach eine kleine Weile nur für mich bewahren. Heute teile ich gerne das Erlebte mit Euch. Es wird kein klassischer Reisebericht. Denn diese Reise war kein klassischer Städte-Wochenend-Trip. Ich hoffe Ihr habt Zeit und Lust mich mit mir auf diese Reise zu begeben. Doch lasst mich zuvor noch ein paar ganz andere Gedanken mit Euch teilen.  Ich denke, es ist notwendig, um zu verstehen, warum zwei Tage Paris ein so großes Abenteuer für mich waren.

Wie ich mein Weltenbummlerpotential hob

Zum Reisen habe ich erst in den letzten Jahren den nötigen Mut aufgebracht. Lange war das Alleinreisen keine Option. Ich blieb zuhause. Das war auch schön. Aus heutiger Sicht eine Art Trainigslager für meine Entdeckungsreisen. Aber dazu später mehr.

Durch das Bloggen-mit-Herz-Wochenende auf Föhr kam der Reisewunsch langsam an die Oberfläche. Ein toller Nebeneffekt. Über die Nebeneffekte des Bloggens sollte ich mal einen eigenen Blogpost verfassen, da gibt es noch mehr. Entschuldigt, das war eine Notiz an mich!

Bevor ich zu jenem Wochenende nach Föhr aufbrach prophezeite mir meine Hamburger Tante, dass ich bestimmt nicht zum letztenmal nach Föhr fahren werde. Wie recht sie hatte! In der Zwischenzeit war ich schon zweimal dort. Der dritte Aufenthalt ist für dieses Jahr schon gebucht.

Ich habe mich bewusst langsam ans Reisen herangetastet. Habe ergründet, ob das mit-mir-auf-Reisen-sein funktioniert. Erst waren es vier Tag, dann eine Woche. In diesem Jahr werden es zwölf Tage sein. Ohne diese Übungen hätte ich nicht nach Paris reisen können. Hört sich komisch an, ist aber so! Neue Erlebniswelten kann ich nicht spontan erkunden. Ich muss mich in meinem Tempo darauf einlassen. Nur so funktioniert das. Ich finde das nicht weiter schlimm! Übrigens bin ich 2017 erstmals alleine geflogen.

Solche Ersterfahrungen kosten mich schlaflose Nächte und viel Mut für die Umsetzung. Mut erfordert wiederum Energie. Diese Energie hatte ich in den letzten 15 Jahren nur für den Alltag und für die richtig wichtigen Dinge in meiner Freizeit.

Paris mon amour

Zurück zum 9ten Dezember 2017. {Dem Tag an dem das Requiem für Johnny Hallyday statt. Bis zu meiner Reise nach Paris hatte ich von ihm noch nie gehört. Aber dieses Requiem hatte ein paar Auswirkungen auf meinen Aufenthalt. Nichts dramatisches, aber eben bemerkbar. Eine Buslinie der Hop-on-hop-off-Busse fuhr am Samstag nicht. Helikopter kreisten über der Stadt. Der Champs-Elysees war gesperrt und das Gebiet rund um die Madeleine-Kirche war ebenfalls.}

Mein Samstag begann früh (5:00 Uhr). Ich fuhr mit dem ersten TGV von Stuttgart nach Paris. Gegen 10:30 Uhr (es gab eine obligatorische Verspätung!) war ich dann in Paris. Endlich! Ich hatte lange darauf hingefiebert. Mir ausgemalt, wie es wohl sein würde. Was ich tun würde. Nichts davon konnte ich dem Moment abrufen, als ich vor dem Gare de l’Est stand. Dem Moment als mir klar wurde: Ich bin in Paris. Heute ist mein Geburtstag und ich bin in Paris.

Die Stadt nahm mich mit offenen Armen auf und zog mich in ihren unnachahmlichen Bann. Zack! Da hatte sie mich wieder! Zuletzt war ich Pfingsten 1990 an der Seine. Einen Tag nach der Abifeier. Am ersten Tag vom Rest meines Lebens. Es war als hätte Paris mich vermisst. Und wie sehr ich Paris vermisst hatte wurde mir letzten Dezember erst richtig klar. Wir hatten beide einige Stürme überlebt. Waren nicht mehr dieselben. Und dennoch… wir erkannten einander!

Ich konnte es gar nicht abwarten mich ganz schnell ins Pariser-Getümmel einzufügen. Ein wenig kopflos stieg ich in den ersten Bus der l’open tour -Bustouren, der vorfuhr ein und los ging es. Ohne Nachdenken. Ohne Zögern. Einfach los. Natürlich wäre es besser gewesen meinen Rucksack ins Hotel zu bringen. Sag ich heute. In der Situation an jenem Samstag im Dezember, konnte ich das nicht überblicken. Ich wollte los. Meine alte Liebe, neue entdecken. Für mich. Alleine. Diese Emotionen, die während eines Wimpernschlages in der Dezembersonne hochkamen, haben mich überrollt. Mich rechts und links überholt. Es hat ein paar Stunden gedauert bis ich aus dieser “Trance” wieder heraus war.

Einmal rund um den Gare de l’Est

Auch auf Föhr gleicht der erste Tag einem Himmelfahrtskommando. Am ersten Tag will ich alles auf einmal ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hetze durch die Gegend, will alles sehen und erleben, was ich lange vermisst habe. Das bringt mich selber jedoch mitunter ziemlich ins straucheln. So ging es mir auch in Paris. Als ich den Bus erstürmt hatte und mich auf dem Oberdeck (die Busse sind oben offen und es war bitter kalt) niedergelassen hatte, hätte ich am liebsten laut gejubelt oder geweint oder gelacht. Oder alles zusammen. Nun soweit kam es nicht! Soweit hatte ich das Ganze dann doch im Griff. Ich genoss es, mich durch die Straßen von Paris fahren zu lassen. Der eiskalte Fahrtwind störte mich nicht. Schaute in den blauen Himmel oder nach rechts oder nach links.

Ich fuhr und fuhr und fuhr. Das ich aussteigen konnte wo ich wollte, hatte ich eine kleine Weile nicht auf dem Schirm. Ich fuhr. Staunte. Fuhr weiter. Machte Fotos. Fuhr weiter. Sah die Sicherheitsabsperrungen Richtung Madeleine-Kirche. Kam an den Galeries Lafayette vorbei. Sah die Menschenmassen vor den weihnachtlich dekorierten Schaufenster. Sah wunderschöne Häuserfassaden. Sah das Moulin Rouge und Sacre Coeur.

Ich fuhr weiter. Irgendwann kam ich wieder am Gare de l’Est an. Zwei Stationen später bin ich dann endlich ausgestiegen. Hab meinen Rucksack aufgezogen. Meine steifen Glieder (ich war dann doch ziemlich durchgefroren) mussten erst etwas animiert werden mich nun durch Paris zu tragen. Ich stand vor dem Hardrock-Café und dem berühmten Kino Le Grand Rex.

Unterwegs in den Straßen von Paris

Dann lief ich los. Ich war so dankbar und glücklich wie selten. Irgendwann um die Mittagszeit erhielt ich eine Nachricht von Freunden, ob ich denn noch leben würde. Da fiel mir auf, dass ich die Zeit völlig ausgeblendet hatte und ganz und gar in der Stadt abgetaucht war. Es gab nichts mehr. Nur noch mich in den Straßen von Paris. Sowas habe ich bisher noch nie erlebt und ich kann es auch nicht richtig in Worte fassen.

Das ich immer noch mit meinem gesamten Reisegepäck unterwegs war, erwies sich zu diesem Zeitpunkt als ziemlich hinderlich. Nicht nur meine Schultern hätten gerne eine Lastpause gemacht. Auch meine Blase hätte gerne etwas Entlastung gehabt. Aber mit dem Gepäck (und auch so) habe ich mich nicht in eines der kleinen Cafés oder Bistros getraut. Also lief ich einfach weiter. Was soll es, dachte ich. Ganz bewusst habe ich mich auf was anderes konzentriert (hat auch eine Zeit lang funktioniert). Ich war eben das Himmelfahrtskommando auf Entdeckungsreise in Paris. Wie schon erwähnt ich kann es am ersten Reisetag nicht gut laufen lassen, ich will alles und zwar sofort.

Galerie Vivienne-Jardin du Palais Royale-Palais Royale

Auf meinem Streifzug durch Paris habe ich wirklich schöne Ecken entdeckt. Ganz besonderes gerne erinnere ich mich an die Galerie Vivienne und ihren tollen Boden. An den Arkadengang rund um den Jardin du Palais Royale. Die schwarz-weißen Stelen in unterschiedlicher Höhe am Palais Royale, die zum fotografieren einladen.

An die Comedie Francaise (wie kriegt man eigentlich den Schnörksel unter das c?) und einem sehr tollen Metro-Eingang unmittelbar davor. Dann lief ich zum Louvre. Dort hatte meinen persönlichen WOW-Moment! Da stand ich in der Dezember-Mittagssonne vor der Pyramide am Louvre. Um mich herum jede Menge Menschen und ich mitten drin. Ich sah Richtung Place de la Concorde und sah das Riesenrad. All das was ich zuvor auf Pinterest und in Reiseführern gesehen und gelesen hatte, wurde Realität. Getaucht in herrliches Winterlicht!

Dann aber meldete sich doch wieder meine Blase und ich verlies diesen magischen Platz, um mir einen Bus zu suchen, der mich Richtung Hotel bringen sollte. Es würde noch 1,5 Stunden dauern, bis ich endlich im Hotel war.

Was man so macht im Stau in Paris

Die blaue (gesperrte) Route der Hop-on-hop-off-Busse wurde wieder bedient. Also stieg ich in Bus Richtung Eiffelturm. Wir fuhren schnurstracks ins Verkehrschaos. Die Sperrung des Champs-Elysees war aufgehoben, die Staus auf den Ausweichstrecken jedoch noch nicht vorbei. Auch die tausende (ist übertrieben, habe nicht gezählt) von Harley-Fahrern aus ganz Frankreich, die den Sarg von Johnny Hallyday eskortiert hatten, wollten auch wieder weg. Ich fuhr vorbei am Musee d’Orsay und an den Bouquinisten. Ein Glück haben diese Busse W-LAN so konnte ich meine Geburtstagsgrüße beantworten. Denn nun brauchte ich auch wieder eine Ablenkung, um nicht ständig an meine Blase zu denken.

So kam es also zu folgendem Mailverkehr mit einem alten Studienfreund: Danke, für deine Geburtstagswünsche. Stehe gerade auf einer Seinebrücke im Stau. Verbringe den Tag in Paris. Alles Liebe, Anja. Antwort: Es gibt schlechtere Orte zum Geburtstag feiern. Viel Spaß noch. Stimmt! dachte ich und war mit der Situation versöhnt. (Meine Blase gab für eine Weile auch wieder Ruhe!)

Über den Verkehr und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer in Paris wird ja viel Erstaunliches erzählt. Zu meiner großen Überraschung entspricht es größtenteils der Wahrheit. Ich musste ja nicht fahren. Ich durfte beobachten. Es war göttlich! Den Busfahrer habe ich zwischendurch sehr bewundert, ja nahezu geliebt. Der hatte Nerven wie Drahtseile, extrem gute Fahrkünste und das Ganze ohne zu fluchen. Der hat nichts gesagt! Null. Wenn ich da an die Busfahrer in Kornwestheim denke… die würden sich weinend vor den Bus schmeissen! Wir fuhren also einmal über die Seine und dann zum Trocadero. Einmal drumherum. Ein kurzer Blick aufs Türmle und dann wieder zurück über die Seine zum Marsfeld. Es war Parisfeeling pur!

Zum weinen schön: Der Eiffelturm

Dann stand ich vor dem Türmle. Der Eiffelturm. Ja, ich gestehe: Ich bin ein echter Paris-Touri! Den Eiffelturm liebe ich sehr. Also stand ich da und hatte Tränen in den Augen. Da war ich also! Endlich! Ich habe mich dann am obligatortischen Selfie versucht. Musste mich dann zeitgleich auch noch den sehr aufdringlichen fliegenden Händlern dort erwehren. Die haben mir etwas den Moment versaut. Aber dennoch denke ich gerne daran. Der Eiffelturm und ich. Es war Liebe auf den ersten Blick!!!

Auf dem Weg zum Hotel habe ich mich dann irgendwie verfranst. Es hat eine Weile gedauert bis ich endlich dort ankam (vergesst nicht in welchem Zustand ich war, es war “etwas” unentspannt!). Im Hotelflur hat mich jedoch schier der Schlag getroffen. Die Wände waren schwarz tapeziert und über den Zimmertüren hingen rote Lämpchen. NEIN, NEIN, NEIN- das Zimmer musste ich nicht stundenweise zahlen! (Das war nämlich der Kommentar vom Lieblingskollegen am Montag drauf!)

Gedrückte Stimmung

Den Boxenstopp habe ich kurz gehalten. Aber als ich wieder los lief, war die Sonne weg. Zack! Innerhalb von einer halben Stunde. Nicht wirklich verwunderlich, es war nun nach 15:00 Uhr im Dezember. Aber nach den vielen Lichtspielen und unterschiedlichen Lichtstimmungen den ganzen Tag, war ich mit einem mal so enttäuscht, dass sich das auf meine Stimmung auswirkte. Dennoch lief ich über die Bir Hakeim-Brücke, dann an der Seine entlang zur Ponte d’Alma. Von dort Richtung Champs-Elysee. Vorbei an wunderschön geschückten Läden namhafter Luxus-Labels. Aber meine Laune war im Keller. Ich konnte irgendwie nichts mehr aufnehmen. Aus dieser Zeit gibt es auch keine Fotos mehr. Also lasse ich alle weiteren Ausführungen dazu.

Nach mehreren Versuchen irgendwo einen Platz in einem Café zu bekommen (entweder alle voll oder nur der Katzentisch, weil ich alleine war), bin ich dann doch noch mit der Metro gefahren. Dafür musste ich aber ganz schön viel Mut aufbringen. Ich fuhr also zurück zum Hotel. In einem Supermarkt habe ich mir dann noch schnell etwas Seelenfutter besorgt.

Dann kam war kommen musste. Alleine essengehen. Ich mag das nicht sonderlich und kann das auch nicht gut ertragen. Daher habe ich in einer Pizzeria so schnell gegessen, das es mir gar nicht bekommen ist. Innerhalb von einer halben Stunde war ich wieder draußen. Wirklich, das ist für mich das Schlimmste am Alleinreisen. Das übe ich jedoch weiter und lasse mich vor allem nicht vom reisen abhalten!

Nach einer ausgedehnten heißen Dusche, lag ich um kurz vor 21:00 Uhr im Bett. Ich war fertig! Seit 5:00 Uhr unterwegs und einige km durch Paris zu Fuss zurück gelegt. Ganz zu schweigen von der emotionalen Achterbahnfahrt. Es ging nichts mehr!

Sonntagsshoppen in Paris

Schlaf hilft immer! Am Sonntag ging es dann schon viel besser. Hier noch die Stationen meiner Sonntagstour: Eiffelturm-das Wohngebiet darum herum- Invalidendom-Bus über die Seine-Shoppen in den Galeries Lafayette- Metro zum Trocadero- Blick auf den Eiffelturm- Macarons kaufen bei Carette- Hotel Rucksack holen- Gare de l’Est. Heimreise. Der Sonntag hat mich nicht mehr so überwältig. Ich konnte besser geniessen.

Aurevoir… a bientôt Paris!

Beim nächstenmal in der Stadt des Lichts und der Liebe wird es noch besser gehen. Dann werde ich es mehr geniessen können. Es mehr laufen lassen. Denn mich durch Paris treiben zu lassen, das kann ich jetzt schon. Auch kann ich jetzt Metro fahren. Diese Erfahrung möchte ich nicht mehr missen. Eines noch, am Ende meiner Reise stellte ich dann fest, dass ich am allermeisten die Sprache vermisst habe. Am Ende meiner Reise, war ich sehr dankbar für einen tollen Französischunterricht und einen großartigen Lehrer. Der nicht nur Sprache sondern Liebe zu einem Land vermittelt hat.

Bei allem was vielleicht nicht so planmäßig verlaufen ist. Paris ist für mich immer eine gute Idee.

Ich hoffe Euch hat mein Reisebericht, der anderen Art gefallen. Bestimmt schreibe ich nochmal über Paris, über meine Lieblingsplätze und so weiter. Aber dazu muss ich erstmal wieder hin. Vielleicht noch in diesem Jahr. Mal sehen.

Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***