Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht? Mich hat das derletzt einige Tage beschäftigt. Das kam nämlich so: In der Bahn wurde ich unfreiwillig Ohrenzeugin eines Gespräches von zwei Frauen. Im Verlauf dieses Gesprächs fiel die Formulierung ” meine Unabhängigkeit habe ich mir hart erkämpft”. Das war der Startschuss für meinen Gedankenmarathon. Das Thema lies mich eine Weile nicht mehr los.
Die Unabhängigkeit erkämpft?
Oh ja, das habe ich tatsächlich. Meiner Meinung gehört dieser Kampf zum Leben dazu und im Grunde ist dieser Prozess nie wirklich abgeschlossen. Meine erste wirkliche Kampfphase war als junge Studentin. Meinen Weg ins Leben oder auch ins Berufsleben musste ich mehr erkämpfen. Ich habe mich schwer getan im ersten Jahr in Konstanz. Für alles selbstverantwortlich zu sein und mich auf das Studium zu konzentrieren, das hat mich fast überfordert. Ich war von Heimweh geplagt. Es war eine extrem schwierige Zeit. Erst als ich mich von meinen naiven Vorstellungen verabschiedet habe, ging es besser. Eine weitere harte Kampfphase, war die Zeit als ich mich von meinen Erwartungen an meine Vorstellungen vom Familienidyll mit Mann und Kindern im eigenen Haus mit Garten und Hund verabschieden musste. Auch der Abschied von meinem Vater hat ähnliches mit sich gebracht. Durch seinen Tod fiel er logischerweise als Ratgeber und Fels in der Brandung aus. Ich musste diese Aufgaben abermals selber übernehmen. Auch den Erwartungen, die von außen an mich heran getragen werden, aber mich oft überrannt und ich musste lernen, sie nicht so ernst zu nehmen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder solche Phasen im Leben hat und solche Kämpfe ausgefochten hat. Möglicherweise gerade ausfechten muss.
Die Unabhängigkeit – Ein Definitionsversuch
Man kennt die Unabhängigkeit aus dem Völkerrecht, also die eines Staates (man denke dabei nur an die Unabhängigkeitserklärung der USA), die Richter sind unabhängig oder die Formulierung “Unabhängige Stichprobe”. Wichtige Bereiche, aber darum soll es hier heute gar nicht gehen. Vielmehr möchte ich ganz konkret bleiben.
Seit ich meine eigenen “Unabhängigkeitskrieg” durchlebt habe, ist es für mich selbstverständlich geworden. Etwas erschreckt mich dieser Gedanke, denn ich weiß, dass das für viele nicht so ist. Also sollte ich dieses Recht mehr schätzen. Dennoch was bedeutet das für mich ganz konkret? Eigene Entscheidungen treffen. Eine eigene Meinung zu haben. Freibestimmt zu leben. Reisen wohin ich will. Letztlich bin ich nur mir selbst verpflichtet und muss mich für nichts rechtfertigen. Jedoch meine Unabhängigkeit ist nicht gleichzeitig deine Unabhängigkeit. Sie ist individuell geprägt. Was ist also der kleinste gemeinsame Nenner?
Unabhängigkeit ist immer relativ
Wikipedia definiert die Unabhängigkeit als Grad an Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Ganz schön sperrig. Mein Leben ist aber tatsächlich völlig selbstbestimmt und selbstständig. Dennoch kann es wohl eine 100prozentige Unabhängigkeit nicht geben. Meine Unabhängigkeit kommt dort an natürliche Grenzen, sobald sie die Rechte anderer tangiert.
Und doch… es gibt auch Abhängigkeiten
Staat und Gesellschaft bilden einen Handlungsrahmen, in dem wir zwar frei agieren können, wir uns jedoch an Gesetze und Normen halten müssen. Beispiel Steuern, darüber mag man sich ärgern, aber umgehen kann man sie nicht (es sein denn man hat kriminelle Energie). Aus der Nummer kommt man nicht raus. Was bleibt ist eine gewisse Einflussmöglichkeit z. B. durch das Wählengehen.
Im Job können wir auch nicht gänzlich unabhängig handeln. Es gibt immer Regeln an die man sich halten muss, egal wie sinnvoll oder unsinnig sie erscheinen mag. Auch Selbstständige sind abhängig, von Aufträgen und den Kundenwünschen.
Sogar im häuslichen Umfeld gibt es Abhängigkeit. Der Vermieter will regelmäßig seine Miete. Die Nachbarn fordern das Einhalten der Hausordnung. Was auch immer…
Fazit
Auch wenn ich mir meine Unabhängigkeit hart erkäpfen musste, ich selbstständig und selbstbestimmt leben kann, gibt es Bereiche in denen ich abhängig bin. Die Möglichkeit auszusteigen oder Grenzen zu ziehen, bleibt immer.
Die Unabhängigkeit ist also relativ. Ich kann freilich immer weiter an ihr arbeiten, trotz dem ist auch mein Leben endlich. Daran wird die Unabhängigkeit nichts ändern.
Deine Meinung interessiert mich, lass doch mal einen Kommentar da.
Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***