Manche Dinge in meinen Leben bekommen einen Namen. Ein Koffer, Hugo. Ein Tannenbaum, Helene. Mein Fahrrad, Henriette. Mit den Namen verbinde ich meist was. Hugo, in Mönchengladbach eine bekannte Abkürzung für das Hugo-Junkers-Gymnasium. Helene, meine Urgroßmutter. Henriette, mein Lieblingshotel in Paris.
Zurück zu Henriette. Henriette, mein Fahrrad nicht das Hotel in Paris, ist mir irgendwie eine gute Freundin. Man sieht uns oft zusammen. Wir sind oft zusammen unterwegs, daher habe ich ein fast schon freundschaftliches Verhältnis zu ihr. Sie bringt mich von A nach B. Das schätze ich sehr!
Die Saison startet meist im März. Nach ihrem jährlichen CheckUp. In den vergangenen beiden Tagen haben wir das erledigt. Ich bringe Henriette immer in den Fahrradladen, wo ich sie gekauft habe. Der ist im Lehenviertel. Stuttgart-Insider wissen wo das ist. Das bringt immer eine Tour quer durch die Stadt mit sich. Einmal aus dem Heimatviertel raus über den Neckar auf der König-Karl-Brücke, vorbei an den Mineralbädern Leuze und Bad Berg, durch den Schlossgarten, vorbei am Innenministerium, durch die Wirren der S21-Baustelle, in den oberen Schlossgarten mit der Staatsoper und dem Landtag, über den Charlottenplatz hinweg, am Breuniger vorbei, durch die Fahrradstraßen Eberhard- und Tübinger Straße. Viel Verkehr. Viele Radfahrer. Viele Fußgänger. Radeln in Stuttgart ist immer ein Erlebnis und auch nicht ganz ungefährlich.
In diesem Jahr war ich froh, dass ich diese Tour an einem freien Tag machen konnte. Als ich los fuhr, habe ich mich selbst daran erinnert. Ich musste mein Ziel nicht zu einer bestimmten Uhrzeit erreichen. So konnte ich mit einer großen Gelassenheit die Strecke entlang radeln. Das Rosenmontag war und Schulferien sind waren nicht zu vernachlässigende Aspekte.
Der CheckUp war unproblematisch und schnell erledigt. Am späten Dienstagnachmittag kam die Nachricht, dass Henriette abholbereit ist. Prima. So kontte ich heute meinen Massagetermin am Feuersee mit der Tour zurück verbinden. Um dem Trubel rund um den Faschingsumzug zu vermeiden, bin ich irgendwie anderes geradelt. Durch das Heusteigviertel und die Olgastraße sowie die Werastraße zum Stöckach. Dann durch die Neckarstraße am SWR vorbei zum Mineralbad Berg. Alles unter einem strahlend blauen Himmel ohne Wölckchen dran. Allerdings noch etwas frisch. Ich war froh, dass ich meine rote Steppjacke anhatte. Damit werde ich gesehen und sie passt prima zu meinem Fahradhelm.
Irgendwie bin ich jetzt ganz abgekommen, vom eigentlichen Thema. Die Sache mit Henriette. Also… 2020 bin ich 50 Jahre alt geworden. Henriette habe ich mir selber zum Geschenk gemacht. Geliefert wurde sie bereits im Okotober, im Juli habe ich sie bestellt. Sie ist von Velo de Ville und wurde nach meinen Vorstellungen konfiguriert. Für mich ein ziemliches Investment. Aber diese Anschaffung habe ich bisher nicht bereut.
Auf die Marke Velo de Ville bin ich auf Föhr gestossen. Mein Lieblings-Fahrradverleih hat einige Räder dieser Marke. Einigemale bin ich während meines Föhr-Aufenthalts auf einem solchen Rad unterwegs gewesen. Durchweg immer gute Fahrräder. Stabil. Für Wind und Wetter tauglich. Der Inhaber des Fahrradverleihs hat mir einige gute Tipps mit auf den Weg gegeben, als ich anfing über eine Anschaffung nachzudenken. Dafür bin ich nach wie vor sehr dankbar. Auch für die sehr gute Beratung hier vor Ort. Klar hätte ich das Rad auch auf Föhr kaufen können, aber mir war wichtig hier vor Ort auch eine Werkstatt zu haben. Im übrigen war das ein nicht ganz unwesentlicher Tipp auf Föhr vom dortigen Verleih. Das sagt viel aus, wie ich finde.

So kam das Velo de Ville-Rad zu mir und wurde zu Henriette. Ein paar spezielle Gadgets hat es. Als Kind vom Niederrhein musste eine Hollandrad-Klingel her. Die Rattan-Fahrradkörbe wurden auf dem Supermarkt-Parkplatz in Fellbach schon bewundert. Und auf meinen zusammenklappbaren Fahrradhelm wurde ich auf dem hiesigen Wochenmarkt und auf Föhr schon angesprochen. In diesem Jahr gab es einen neuen, größeren Fahrradkorb auf dem Gepackträger. Professionell montiert im Fahrradladen im Lehenviertel.
So ist das mit Henriette und mir. Ja, mein Fahrrad ist wie eine gute Freundin. Was sagt das jetzt über mich aus?
Lass Deine Alltagssterne leuchten, Anja***
