Hast Du Lieblingsorte? Orte, die eine besondere Bedeutung für Dich haben? Vielleicht reist Du dort gerne hin oder es ist der Park um die Ecke, in den man flüchten kann, wenn es in den eigenen vier Wänden (oder dem Inneren) zu eng wir. Also alles Orte, wo wir zur Ruhe kommen, wo wir wieder atmen können und wo klare Gedanken gefasst werden können. Ich denke, dass jede(r) solche Orte hat.
Während ich hier so über Lieblingsorte siniere kommt mir der Gedanke, dass es möglicherweise auch um Sehnsuchtsorte handelt. Orte an denen die Seele ein Plätzchen zum baumeln gefunden hat. Orte wohin die Gedanken ziehen, wenn einwenig Kopfkino von Nöten ist.
Für mich sind diese Orte wichtig. Gerade zur Zeit. Wenn mir alles zuviel wird, alle Nachrichten und Informationen rund um das Thema Covid19, dann schnappe ich mir mein Smartphone oder schalte mein Laptop ein. Dann bin ich schnell bei meinen Energiequellen.
Doch was macht diese Ort so besonders? Was macht einen Urlaubsort zu einem Lieblingsort oder gar Sehnsuchtsort? Als ich begann über dieses Thema nachzudenken, fand ich das sicher auf dieser Liste ein Ort aus Kinder- oder Jugendtagen auftauchen würde. Außerdem dachte ich, dass ich sicher eine ganze Reihe von Orten finden würde, die dieses Prädikat verdienen würden. Aber weit gefehlt.
Lieblingsort: Föhr
Seid ich im September 2015 das erstemal auf Föhr war (damals für ein verlängertes Wochenende) ist Föhr die Nummer 1 Energiequelle für mich. Ich denke es hat etwas mit der Insellage, der Nordsee oder der großen inneren Freiheit zu tun. Schon wenn die Fähre in Dagebül ablegt beginnt das Loslassen. Der Balast eines Jahres bleibt auf dem Festland und mit Verlassen der Fähre werde ich zum Insulaner (im übertragenen Sinn). Ich bin fernab von den täglichen Zwängen und Erwartungen. Das tut meiner Seele gut. Außerdem ist es immer ein kleines Abenteuer, von der Anreise angefangen bis hin zu der Tatsache, dass ich alleine reise. Obwohl ich das nun schon einigemale gemacht habe ist das nach wie vor eine Herausforderung. Aber eigentlich habe ich dort mit mir immer eine gute Zeit.
Lieblingsort: Paris
Während meiner Schulzeit war ich zum erstenmal in Paris. Ein Tagesausflug aus dem Norden Frankreichs nach Paris. Das war irre aufregend, aber viele Erinnerungen habe ich daran nicht mehr. Ein Busreise nach Paris mit meiner Mutter war mein Geschenk zum bestandenen Abitur. Das war sehr besonders! Hier kommen dann doch Erinnerungen an Jugendtage zurück, aber eben nicht als Ort in Mönchengladbach, wo ich aufgewachsen bin. Ich denke, das hat etwas mit der persönlichen Entwicklung/Prägung zu tun. Denn Paris wurde erst zu einem Sehnsuchtsort als ich dort alleine meinen 47. Geburtstag gefeiert habe. Auch hier kommt der Aspekt des allein reisens hinzu. Und ein sehr interessanter Effekt, in meinen nahen und etwas ferneren Umkreis gibt es einigen Menschen, die von Paris ebenso wie ich nicht genug bekommen. Das finde ich sehr bezeichnend.
Lieblingsort: Mineralbäder
Das Mineralbad Berg ist das traditionsreichste Mineralbad in Stuttgart. Es war wegen Renovierung einige Jahre geschlossen. Daher musste ich auf das Mineralbad Cannstatt ausweichen, was quasi vor der Haustüre liegt. Für mich die beiden Bäder die schönsten Bäder. Ich schwimme gerne und komme dabei zur Ruhe. Insbesondere das 19° kalte Mineralwasser im Mineralbad Cannstatt liefert mir regelmäßig sehr klare Gedanken. Derzeit natürlich nicht, denn die Bäder sind (wie alle anderen) geschlossen. Wenn das alles vorbei ist, wird das das Erste sein was ich tue. Schwimmen gehen. Ich radle dann zum Bad. Das Bild sehe ich schon vor mir. Das wird super!
Wie wird ein Ort zum Lieblingsort?
Diese Orte haben sich in mein Leben eingeschlichen. Über Bücher, Mitbringsel, meine Fotos. Sie sind aus meinen Leben nicht mehr weg zu denken. Regelmäßig erhalte ich von Freundinnen Fotos die Paris zeigen oder der gelegentliche Hinweis einer Freundin, dass wieder eine Doku über Föhr im Fernsehen gezeigt wird. Das schafft Verbindung, gerade in Zeiten wir diesen. Das tut gut! Meine Mutter und meine Freundinnen waren es auch, die meine geplatzte 50iger-Geburtstagstour nach Paris kompensiert haben. Das war ganz groß! Wenn die Lieblingsorte zum Stilmittel in den eigenen vier Wänden werden, dann sind es echte Sehnsuchtsorte geworden. Wir wollen mit ihnen in Verbindung bleiben auch wenn wir nicht dort sein können.
Da ist das Schwelgen im Lieblingssessel oder dem Bett noch mal viel schöner. Noch zwei Lieblingsorte, aber das nur ganz am Rande…
Nenn mir doch Deinen Lieblingsort. Lass uns miteinander schwelgen, das hilft vielleicht einwenig in dieser reiselosen Zeit. Ich würde mich sehr freuen. Wenn es Dich interessiert schreibe ich auch gerne mal was darüber, wie Paris und Föhr auch in mein Bücherregal eingezogen sind.
Lass Deine Alltagssterne leuchten, Anja***
