Kurz entschlossen bin ich im Juni 2019 nach Spanien gereist. Ein lohnendes Ziel, denn Madrid und Kastilien sind wahrlich Spaniens majestätische Mitte. Es war meine erste Gruppenreise überhaupt.
Zunächst war ich skeptisch und um das Fazit vorweg zu nehmen: Eine Gruppenreise schließe ich nicht ganz aus, aber nicht so schnell wieder.
Mir fehlt dabei einfach die Freiheit Städte und Landschaft auf mich wirken zu lassen. Die Zeit ist immer im Hinterkopf. Natürlich ist für alles gesorgt, Hotel, Busfahrt, Eintrittsgelder. Die spanische Reiseleiterin, sehr versiert, mit viel Herzblut für ihr Land und den besten Tipps hinsichtlich menschlicher Boxenstopps.
Diese Reise hat mich dennoch wirklich überwältigt. Mir Spanien, seine Hauptstadt und alle anderen gesehenen Städte, die Lebensart und Lebensfreude, die Kultur und seine Landschaft nahe gebracht. Das war wirklich atemberaubend. Erst jetzt, mehr als zwei Monate nach der Rückkehr, habe ich annähernd alle Eindrücke verarbeitet.
Aber vielleicht sollte ich einfach mit dem Anfang beginnen…
Sechs Unesco-Weltkulturerbestätten in acht Tagen
Eine Woche waren wir unterwegs. Es verging kein Tag an dem wir kein spanisches Weltkulturerbe besucht haben. An manchen Orten war extrem viel los, an anderen gar nichts. Die Fahrten über Land mit dem Bus waren eindrucksvoll, denn die Landschaft in Zentralspanien ist wirklich wunderschön. All das hat mich beeindruckt und begeistert.
Wissenswertes vorab
Kastilien gliedert sich in die autonomen Regionen Kastilien und Léon, Kastilien – La Mancha und die autonome Gemeinschaft Madrid. Das kastilische Scheidegebirge nördlich von Madrid teilt Kastilien in das nördliche Altkastilien (Kastilien und Léon) und das südliche Neukastilien (Kastilien – La Mancha). Madrid liegt auf 667 Meter über dem Meeresspiegel, inmitten der Meseta, der Hochebene Kastiliens. Unser höchstgelegender Ort der Reiseroute war Ávila, das auf 1.131 Meter über dem Meeresspiegel. In beiden Städten wehte uns eine steife Brise um die Nase, da sind doch einige Hüte fast fliegen gegangen (inklusive meinem).
Madrid am ersten Tag

Die Anreise war nervtötend. Erstens weil es extrem früh los ging (das Taxi hatte ich auf 3:45 Uhr bestellt). Ich muss gestehen, ich leide unter Reisefieber und vor lauter Aufregung habe ich daher nur eine Stunde geschlafen. Zunächst flogen von Stuttgart nach München (ein Irrsinn, aber vom Veranstalter so festgelegt), um dann von München nach Madrid zu fliegen. Gegen 12:00 Uhr standen wir dann vor dem Königspalast in Madrid. Ich war überwältigt (und übermüdet) und deswegen im Schneckenwarp unterwegs. Einmal Schlusslicht der Gruppe immer Schlusslicht, im Verlauf der Reise änderte sich das nicht wirklich.
Ursprünglich war der Nachmittag zur freien Verfügung geplant, aber da der König am anderen Tag für offizielle Termine seinen Palast benötigte (wir waren leider nicht eingeladen) musste das Program umgestellt werden. Nach einer Mittagspause, in der ich zu meinem Bocadillo de Calamares im Mercado San Miguel und meinem ersten Café con leche im Café Oriente kam, schloss sich die Besichtigung des Königspalastes an. 1000 Eindrücke mit einer Stunde Schlaf und einem Flug in den Knochen (fliegen macht mir immer etwas Angst), dass ist eine krasse Hausnummer. Ich habe keine Ahnung wie alle anderen das gemacht haben. Als ich im Hotel ankam ging erst mal nichts mehr. Ich war froh, dass ich noch zum gemeinsamen Abendessen kam. Danach war dann bei mir Schicht im Schacht.
Für mich ist das Reisen nichts selbstverständliches. Erst in den letzten Jahren entdecke ich die Welt für mich. So eine Rundreise ist logischerweise extrem voll gepackt mit Programm und damit prasseln auch extrem viele Eindrücke auf mich ein. Möglicherweise kennt ihr ja meinen Blogpost über Paris im Dezember 2017, da ist es mir ähnlich ergangen, doch dazu später mehr. An diesem ersten Abend in Madrid, ging einfach nichts mehr und so war ich zwar in Madrid, aber habe dennoch kaum etwas wirklich wahrgenommen. Das ist etwas schade, aber mal ehrlich, es gibt doch nix schöneres als nochmal an einen Ort zu reisen, der ein gutes Gefühl auslöst. Madrid gehört definitiv auf meine persönliche Ich-komme-bestimmt-wieder-Liste. So kommt es auch, dass ich in Madrid relativ wenig fotografiert habe.
Madrid am zweiten Tag
Am zweiten Tag haben wir einen ausgedehnten Spaziergang durch Madrid gemacht. Die Reiseführerin, eine waschechte Madrilenin, hat uns ihre Stadt (in Verlauf der Reise auch ihr Land) mit viel Herzblut näher gebracht. Mittags landete ich in einer Tapas-Bar am Plaza Santa Ana (wie konnte es auch anders sein). Auf meinem Weg zurück zum Hotel kam ich an der Puerta del Sol an einem Fächerladen vorbei. Ein tolles altes Geschäft gegründet 1823. Leider habe ich mir keinen Fächer gekauft, was mich wirklich ärgert. Ein weiterer Grund wieder nach Madrid zu reisen. Dafür gab es einen Cortado im Café “La Mallorquina” an der Puerta del Sol, im ersten Stock am Fenster, laut unserer Reiseleiterin ein echter Glücksfall. Dieses Café ist ebenfalls schon sehr alt (gegündet 1894) und in Madrid soetwas wie eine Institution. Ich liebe sowas.
Unser Weg ins Hotel führte uns in eine Kirche, die Basilica des San Franciso el Grande. Hier treffe ich erstmals im Leben auf ein echtes Gemälde von Goya. Für mich ein ganz persönliches Highlight, ein weiteres hätte ich gerne noch hinzugefügt. Picassos “Guernica” im Museo Reina Sofia, aber dafür war wirklich keine Zeit und Museen im Galopp zu durchlaufen ist wirklich nicht mein Ding. Ein anderes Mal. Wie gesagt, nach Madrid kehre ich zurück. In einige andere Städte meiner Reise vielleicht auch, aber dazu später mehr.



Zum Hotel: Untergebracht waren wir im Hotel Puerta de Toledo, ein sauberes Hotel mit einem ordentlichen Bett, Zimmer etwas klein für zwei, aber was soll’s. Dafür ist die Lage echt gut. Metro-Station Glorieta direkt vor der Tür und in 10 Minuten ist man zur Plaza Mayor gelaufen. Abstriche muss man beim Frühstück und dem Abendessen für eine Gruppe machen. Was ich anerkenne ist, das man freundlich und bemüht war.
Über San Lorenzo del Escorial nach Ávila {Erster Reisetag}
Ab dem heutigen Tag fährt uns Carlos. Ruhig, freundlich und unglaublich zuvorkommend. Von Madrid fahren wir nach San Lorenzo del Escorial am Rande der Sierra de Guardarama. Das erste Weltkulturerbe, der beeindruckende Klosterpalast, auf unserer Reise.

Einer der spanischen Könige regierte von hier aus das Spanische Weltreich, in dem die Sonne nie unterging, im 16. Jahrhundert. Schwer beieindruckt hat mich die Gruft der Könige und Königinnen.
Dieser Klosterpalast besteht aus einem Kloster, ursprünglich waren es Hironymitenmönche nach Auflösung zogen Augustinermönche ein, ein Königspalast von Philipp II geplant und gebaut sowie die bereits erwähnte Grablege aller spanischen Könige. Sehr beeindruckend war die Bibliothek. Das zentrale Element des Klosterpalastes ist die Basilika. Die 90 m hohe Vierungskuppel ist weithin sichtbar. Der Baumeister hat sich dabei an St. Peter in Rom orientiert. Übrigens der König konnte von seinem Bett aus sowohl in die Landschaft sehen, als auch auf den goldenen Hochaltar. Der Trakt der Königin war ebenso angeordnet.
Die Kleinstadt rund um den Königpalast ist ruhig und beschaulich, das war ein schöner Ort, um eine Mittagspause einzulegen.



Ávila
Unsere Reise ging dann von San Lorenzo del Escorial weiter nach Ávila, die als Stadt der Heiligen Teresa von Ávila bekannt ist. Seit mehr als 800 Jahren umschließt die Altstadt ein geschlossener Mauerring. Dieser Mauerring, die umschlossenen Kirchen und Klöster sowie die Kirchen außerhalb des Mauerrings sind Unesco-Weltkulturerbe. Nach einer kurzen Erfrischungspause im Hotel ging es zu Fuss auf Erkundungstour. Wie gesagt, Ávila liegt sehr hoch und hier ging ein ordentlicher Wind, was mir persönlich gut gefällt. Aber bei einigen Mitreisenden zu kurzen Sprints, um den Hut wieder einzufangen, führte.

Diese Mauer hat mich beeindruckt. Die Steine und deren Färbung. Die Bäume die aus dem inneren der Stadt darüber hinausragte. Uns begegneten auch die ersten Störche, es folgten dann noch mehr im weiteren Reiseverlauf. Der Rundgang endete für mich im Convento de la Santa, dem Geburtsort der Heiligen Teresa von Ávila. Ich brauchte etwas Abstand von der Gruppe und habe den inneren Altstadtkern wieder verlassen. Na ja, es schloss sich ein etwas anstregender Marsch entlang der Mauer an. Der Wind lies einen vergessen, dass die Sonne im Juni ganz schön viel Kraft hat und sie schien von einem wolkenlosen Himmel.
Wieder innerhalb der Mauer, die übrigens eine Gesamtlänge von 2500 m hat, bin ich einwenig durch die Stadt geschlendert, die fast menschenleer war. Eigentlich wollte ich die Kathedrale besichtigen, was ich aus Gründen jedoch nicht tat. Merke: E-Mails im Urlaub lesen ist manchmal kein guter Plan. Stattdessen bin ich kurz ins Hotel um mich wieder zu sammeln. Die kleine Auszeit hatte gut getan und so ging es voller Elan auf die Mauer. Nicht die beste Idee. Ich war wirklich enttäuscht. Aber da sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden. Die Zeit vor dem Abendessen haben wir dann noch schnell genutzt, um eine süße Spezialität aus Àvila zu erstehen. Yemas de Ávila wird aus Eigelb und Zucker hergestellt. Für mich leider zu süß. Solltet Ihr nach Ávila kommen, bitte unbedingt probieren.
Vor unserer Abreise am nächsten Tag haben wir noch die älteste und bedeutenste romanische Kirche von Ávila, San Vincente, von außen besichtigt. Leider nur von außen, muss ich sagen. Aber das ist die Eigenheit einer Gruppenreise. Manches schaut man nur im Galopp an.



Zum Hotel: Das Hotel Palacio de los Velada liegt nur wenige Meter von der Kathedrale entfernt. Wirklich ideal. Es ist ein renovierter Palast aus dem 16. Jahrhundert. Ein schönes Hotel. Das Abendessen war sehr lecker dort. Allerdings war der Service nur semi-optimal und erinnerte in Teilen an Dinner for one insbesondere was das Einschenken des Rotweins betraf. Das Frühstück war deutlich besser als in Madrid, allerdings kam man sich im Frühstücksraum vor wie in der Arktis.
Über Segovia und La Granja de San Ildefonso nach Salamanca {Zweiter Reisetag}

Segovia liegt am Fuß des kastilischen Scheidegebirges auf 1000 m Höhe. Neben Alcazar und Kathedrale prägt auch ein römischer zweigeschossiger Aquädukt das Stadtbild. Dieser brachte bis 1906 noch Gebirgswasser aus 16 km Entfernung in die Oberstadt von Segovia. Unser Rundgang begann und endete dort. Er führt uns vorbei an wunderschönen Häuserfassaden, durch ein ehemaliges Judenviertel, über die Plaza Mayor zur Kathedrale und dann weiter zum Alcazar. Auf dessen Vorplatz wir in das Tal sehen konnten, in dem die Templerkirche Vera Cruz steht. Eine Oktogonkirche mit Turm. Mich hat dieser Rundgang von Segovia begeistert.



In der anschließenden freien Zeit wurde mir mein Rucksack, während ich fotografierte, geöffnet und mein Bargeld aus dem Geldbeutel geklaut. Die “ehrlichen Diebe” haben ihn wenigstens zurückgesteckt, denn mein Personalausweis war auch drin. Das Geld lies sich verschmerzen, dennoch saß/sitzt der Schock recht tief. Bis dato war mir sowas noch nie passiert. Von diesem Erlebnis ist der Besuch in Segovia natürlich sehr geprägt. Zu diesem Zeitpunkte wusste ich nicht, dass es auch Auswirkungen auf die nächsten Stunden und den nächsten Tag haben würde.
Ach so, in Segovia habe ich das einzige Teil erstanden, dass ich für mich im Laufe der Reise gekauft habe, einen Regenschirm. Und ja, ich habe ihn nicht gebraucht, aber deswegen habe ich ihn ja auch gekauft.
La Granja de San Ildefonso
La Granja bedeutet der Gutshof. Schloss und Gärten liegen auf 1200 m Höhe am Rand der Sierra de Guardarrama. La Granja ist eines der schönsten Ausflugsziele in Kastilien. Das Schloss gilt als das Spanische Versaille. Die Parkanlage ist mit 140 ha größer als die in Versaille. Bis zum Schloss bin ich gekommen. Dann habe ich mich auf eine Bank in die Sonne gesetzt, das Erlebnis in Segovia hat mich an diesem Tag dann doch sehr verfolgt. Aber was ich gehört habe, soll das eine wirklich schöne Anlage sein.


Salamanca
Das Erlebnis in Segovia hat den Aufenthalt in Salamanca stark überschattet.
Nach Ankunft im Hotel, habe ich erstmal heiß geduscht. Ein abendlicher Bummel durch die Stadt war im nicht möglich, mir war insgesamt nach etwas Ruhe. Auch um die zahlreichen Eindrücke der Reise etwas sacken zu lassen. Aus heutiger Sicht, genau die richtige Entscheidung.

Am nächsten Tag haben wir einen ausgedehnten Rundgang durch Salamanca gemacht. Zunächst war in der Stadt auch noch nicht so viel los. Das sollte sich dann doch recht schnell ändern. Mittlerweile war Samstag. Pfingstwochenende.
Salamanca ist eine traditionsreiche Universitätsstadt. Das zeigte sich just an diesem Tag im besonderen. Die Studenten*innen feierten ihre Abschlüsse mit Eltern und Angehörigen. Überall wuselte es. Das wurde mir nach dem Erlebnis vom Vortag irgendwann zu viel. Aber dennoch habe ich während des Rundgangs viel schönes von Salamanca gesehen.
Eine beeindruckende Plaza Mayor, die Störche Martin und Martina auf der Kirche San Martin, die Casa de las Conchas (Haus der Muscheln), die Unversität samt Frosch, neue und alte Kathedrale. Mein besonderes Highlight des Tages, war das Boccadillo Jamon, also ein halbes Baguette mit iberischen Schinken. Wirklich ein Traum!
Mein nachmittäglicher Spaziergang führte mich zum Rio Tormes und der römischen Brücke. Insgesamt hat Salamanca mich begeistert. Auch hier haben wir nur einen groben Überblick erlangt, so dass ich unbedingt nochmal hin möchte. Zum Beispiel um die Casa Lis, ein Jugendstil-Museum, anzuschauen.



Zum Hotel: Hotel Abba Fonseca war das komfortabelste Hotel unserer Reise. Großes Zimmer, großes Bad. Abendessen ganz gut. Ebenso das Frühstück. Die Lage im historischen Stadtzentrum war optimal.
Über Hervás, Cuacos do Yuste und Monasterio de Yuste nach Toledo {Dritter Reisetag}

Von Salamanca sind wir durch eine kleine Weile durch eine wunderschöne Landschaft gefahren, spätestens zu diesem Zeitpunkt hat mich Spanien sehr begeistert. Wir verlassen Kastilien und Léon; fahren durch die Sierra de Gredos. Der Weg führt uns nach Hervás eine Kleinstadt in der nördlichen Extremadura. Beeindruckt hat mich das Örtchen nicht, es war sicherlich interessant, insbesondere das alte Judenviertel mit seinen schmalen und verwinkelten Gassen. Auch dem Theaterplatz des Ortes, wo die Zuschauer auf der einen Seiten eines Baches sitzen und die Schauspieler auf der anderen Seite des Baches auf einer Art natürlichen Bühne spielen. Das Bild oben zeigt etwas von der Szenerie.
Wenn man Kirschen mag, ist man hier im Juni auch richtig. Die Region ist in ganz Spanien für ihre Kirschen bekannt. Auch Lederwaren soll man hier gut kaufen können. Das war jetzt alles nicht so meines. Aber die Fahrt und den zwischenzeitlichen Wechsel der Landschaft, das hat mich begeistert. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich gerne cruise? Schon als Kind mit meinem Vater. Nun ja, ich schweife ab…



Cuacos do Yuste




Die Mittagspause haben wir in Cuacos do Yuste, im Vera-Tal, gemacht. An diesem Pfingstsonntag war es extrem warm, so dass ich hatte mittags nicht so viel Hunger hatte. Also bin ich etwas durch den kleinen Ort geschlendert. Vorbei an der Büste von Juan de Austria, der ein unehelicher Sohn von Kaiser Karl V war und in Regensburg zur Welt kam. Dann fand ich ein grünes Kleinod an einem Brunnen.
Die Ruhe und Beschaulichkeit des Ortes haben meiner Seele gut getan. Das Schwirren im Kopf lies langsam nach. Dennoch wäre es auch nicht schlimm gewesen, wenn wir hier nicht Station gemacht hätten. Das Kloster Yuste hingegen war wirklich seinen Besuch wert, aber insgesamt war der anschließende Toledo-Besuch einfach viel zu kurz bemessen. Jetzt habe ich aber etwas vorweg genommen. Machen wir einfach in der Besuchsreihenfolge weiter:
Monasterio de Yuste




Den Alterssitz von Kaiser Karl V besuchten wir dann nach der Mittagspause. Der hatte sich in seinen letzten 20 Lebensmonaten in das Monasterio de Yuste, einem Hieronymitenkloster, zurück gezogen. Diese Anlage hat mich begeistert. Erstens weil sie tatsächlich so abgelegen liegt und wir nahezu die einzigen Besucher waren. Ich kann mir gut vorstellen, wie man dort zur Ruhe kommt, wenn man merkt das Leben neigt sich dem Ende zu.
Toledo

Von dort führte unsere Fahrt dann nach Toledo. Die Stadt liegt auf einem Felsen, umgeben von einer Schleife des Flusses Tajo (Tejo in Portugal), der Toledo von drei Seiten umschließt. Schon vom Bus war Toledo mit Kathedrale und Alcazar von weitem zu sehen. Sehr beeindruckend. Damit waren wir wieder in Kastilien, denn Toledo ist die Hauptstadt von Kastilien – La Mancha. Toledo ist ebenfalls Weltkulturerbe.
Wir kamen an diesem Pfingstsonntag relativ spät im Hotel an. Bis alle Zimmer verteilt waren, was gefühlt eine Stunde dauerte, war nur noch wenig Zeit zum frisch machen und schon ging es zum Essen. Aber mit dem Abendessen wurden wir echt entlohnt. Das war das Beste der ganzen Reise.
In Toledo’s Gassen am Abend verlaufen
Danach haben wir einen kurzen Abendspaziergang durch Toledos Gassen und zur Kathedrale gemacht. Was soll ich sagen, aus dem kurzen Abendspaziergang wurde ein langer. Sehr lauschig, denn es wurde darüber dunkel und still in den Gassen. Wir haben uns ziemlich verlaufen. Es hat eine kleine Weile gedauert, bis wir aus dem Gassengewirr der Altstadt entkamen. Gegen 1:00 Uhr waren wir dann wieder im Hotel, an dem Abend bin ich echt platt ins Bett gefallen.
Am nächsten Tag haben wir zunächst eine Bustour rund um Toledo gemacht. Der Anblick über den Rio Tajo ist wirklich atemberaubend schön. Der eigentliche Stadtrundgang startete am Bisagra-Tor. Sehr touristenfreundlich gibt es an zwei Stellen versteckt hinter alten Steinmauern Rolltreppen, die einen Teil der Steigung hinauf in die Altstadt Toledo’s überwinden. Meist muss man dann dennoch einen kleinen Anstieg in Kauf nehmen, aber das meiste hat man so schon geschafft.
Salamanca und Madrid waren toll, aber Toledo hat mich wirklich umgehauen. Möglicherweise durch die verwinkelten Gassen, denn kaum drehte man der einen Kirche den Rücken und lief ein paar Schritte, da stand man auch schon vor der nächsten Kirche oder am nächsten schönen Platz. Etwas was ich eigentlich nur aus Paris kenne. Man kann in Toledo noch viel vom maurischen Einfluss sehen. Auch das fand ich sehr interessant, denn Toledo war lange ein Schmelztigel christlicher, jüdischer und muslimischer Kultur.
Zu Beginn unseres Rundgangs waren noch recht wenige Menschen unterwegs, aber je näher wir zur Kathedrale kamen, um so voller wurde es. In Deutschland war Pfingstmontag, Fronleichnam stand in der Folgewoche im Kalender und in Toledo liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Während man bei uns in Süddeutschland vielerorts Blumenteppiche in den Innenstädten, über die die Monstranz vom Pfarrer während der Prozession getragen wird, kennt, werden die Gassen rund um die Kathedrale Toledos mit Baldachin-Bahnen beschattet. In meiner Toledo-Fotogalerie findet Ihr Fotos, auf denen das zu sehen ist.
Die Kathedrale von Toledo
… ist riesig. Viele Seitenkappellen. Viele Seitenaltäre. Zwei Hochaltäre. Ein beeindruckendes Chorgestül. Es reiht sich Superlative an Superlative. Die ehemalige Sakristei, die seit 1926 als Pinakothek der Kathedrale dient, zeigt zahlreiche Werke El Grecos. Auf dessen Meisterwerk “Das Begräbnis des Grafen Orgaz” wie später noch treffen. Auf dem Rundgang hinter dem Chor stösst man unweigerlich auf das “transparente”. Hier wird echtes Sonnenlicht auf ein bestimmtes Detail im hinteren Altaraufbau gearbeitet, um das Wunder der Eucharestie die verdeutlichen. Wahnsinn! Dann kommt man ganz automatisch zum Kapitellsaal, mit unfassbar schönen Fresken und Portraits (die sind allenfalls interessant) der Erzbischöfe von Toledo. Danach führt der Weg vorbei an der Monstranz (200 kg pures Gold und Silber), die eben an Fronleichnam durch Toledo getragen wird.
Danach haben wir eine Pause gemacht. Nach all der Pracht und den vielen Eindrücken auch echt wichtig. Wir waren Tapas essen irgendwo in der Calle Santo Tome. Sehr lecker! Danach ging es in die Kirche Santo Tomé, um das bereits erwähnte Meisterwerk von El Greco anzusehen. Ein echter Hotspot für Touristen. Für mich zu viele Menschen auf engstem Raum. Da kann ich so eine Gemälde nicht wirken lassen.
Der weitere Rundgang führte uns ins ehemalige jüdische Viertel zur Kirche (ehemaligen Synagoge) Santa Maria la Blanca. Erbaut wurde sie im 13 Jahrhundert als Synagoge. Im 15. Jahrundert kam es zu blutigen Progromen, die Synagoge kam in christliche Hand und im 16. Jahrhundert wurden Altarräume angebaut. Irgendwann im Lauf der Zeit wurde die Kirche zweckentfremdet und als Lagerraum bzw. Kaserne genutzt. Zum Kulturerbe wurde sie dann im 19. Jahrhundert ernannt.
Unweit von der Kirche Santa Maria la Blanca ist das Kloster San Juan de los Reyes, welches ursprünglich als Grablege der Katholischen Könige Isabelle und Ferdinand geplant war. Vor allem der Kreuzgang, hat mir persönlich sehr gut gefallen. An der Puente San Martin endete der offizielle Stadtrundgang. Vor dem Essen haben wir noch einen Spaziergang zur zweiten Brücke Toledo’s gemacht, der Puente de Alcántara. Nach dem Essen dann noch einen abendlichen Gassenbummel durch Toledo, es war ja der letzte Abend in Spanien. Abschiedsstimmung machte sich allmählich breit.



Zum Hotel: Das Hotel Maria Cristina lag unmittelbar an der Stierkampf-Arena. Bis zum Bisagra-Tor lief man weniger als 10 Minuten, der Weg führte vorbei am Paseo de Merchan (La Vega), dort gibt es abends viele “Imbiss-Buden”, das sah sehr schön aus. Das Abendessen war an beiden Abenden ausgezeichnet. Das Frühstück jedoch nicht so gut. Das Zimmer war sauber, das Bett bequem und das Bad modern.
Aranjuez und Madrid am Abreisetag
“Die schönen Tage von Aranjuez sind nun zu Ende…” (Don Carlos, Friedrich Schiller, 1. Akt, 1. Aufzug) Aranjuez liegt vor den Toren von Madrid. In einem Tal des Rio Tajo. Das Schloss war lange die Sommerresidenz der königlichen Familie. Leider konnten wir aus Zeitgründen das Schloss nicht besichtigen, lediglich die Gartenanlage haben wir besichtigt. Ich wäre stattdessen lieber nochmal durch Madrid gebummelt, dort waren wir lediglich für einen kleinen Mittagsimbiss. Von Aranjuez habe ich nur einige wenige Handybilder:




Fazit
Insgesamt war es eine tolle Reise. Mit drölfzigtausend Eindrücken. Dieser Teil Spaniens ist genauso sehenswert, wie die vielen anderen Hotspots. Für mich ist das individuelle zu kurz gekommen. Stadtbummel waren kaum möglich oder mal in Ruhe einen Cortado geniessen und die Leute beobachten. Der Zeitpunkt der Reise (Anfang Juni) war gut gewählt. Die An- und Abreise allerdings eine Zumutung. Eine Gruppenreise hat klare Vorteile, es ist alles gebucht, Eintrittsgelder gezahlt und es gibt eine Reiseleitung, die mit Rat und Tat zur Verfügung steht. Die spanische Reiseleitern verfügte zudem über enormes Wissen. Für mich war es teilweise aber schwierig ihren Worten zu folgen und gleichzeitig zu fotografieren. Das geht (für mich) nicht so richtig zusammen. Entweder kommt das eine oder das andere zu kurz. Aber für einen ersten Eindruck, dafür war diese Reise gut. Salamanca, Madrid und Toledo stehen wieder auf meiner Reiseliste. Mal schauen wann.
Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***
Was ich sonst noch sah…
Mehr Reiseeindrücke in Fotoform findet Ihr hier und hier. Auch auf Instagram findet Ihr in den Highlights weitere Reiseeindrücke.
Literaturtipps
Interessantes Hintergrundwissen findet Ihr im Kunst-Reiseführer von DUMONT mit dem Titel “Madrid und Zentralspanien” (leider seit 2013 nicht mehr aktualisiert, aber an den historischen Fakten ändert sich ja nichts mehr).
Ebenfalls von DUMONT waren die Reiseführer “Madrid und Umgebung” und “Extremadura”. Für schnelle Informationen vor Ort und coole Tipps eignet sich die DUMONT direkt-Reihe.
In eigener Sache
Die Reise und die Reiseführer habe ich gekauft und selber bezahlt. Gerade von den Reiseführern bin ich sehr überzeugt. Bei Bedarf sende ich auch gerne die Rechnung der Reise zu. Ist das nun Werbung? Ich meine nicht, denn nichts davon wurde beauftragt. Die Idee zu diesem Blogpost stammt von mir, eine Gegenleistung habe ich nicht erhalten.
