Die vier Jahreszeiten – Eine Charakterisierung

Momentan werden wir (noch) von einem goldenen Oktober, der wirklich hält was er verspricht, verwöhnt. Dieses Licht ist traumhaft und es regt an. Was wäre, wenn das Jahr nur aus Herbst bestehen würde? Oder nur aus Frühling und Herbst? Keine Ahnung, ob der Klimawandel es dazu kommen lassen wird. Aber es wäre wirklich sehr schade. Auch wenn meine beiden liebsten Jahreszeiten, der Frühling und der Herbst sind.

Monatsmäßig habe ich mittlerweile keine Abneigungen mehr. Gut, je nach Jahr machen mir manchmal der Januar und der August zu schaffen. Darüber habe ich an anderer Stelle hier auch schon berichtet. Und auch der November war viele Jahre nicht mein bester Freund. Aber so nach und nach mache ich meinen Frieden mit den Monaten. Blende negative Erlebnisse aus und fokussiere mich darauf, dass ein Ausbleiben dieser Monate zu einem Ungleichgewicht im Leben führt. Es wäre so als würde man Lebenszeit ungenutzt verschenken. Das kann nicht gut sein. Oh je, ich glaube ich werde alt und schrullig!

Was, wenn das Jahr nur aus zwei Jahreszeiten bestünde? Würde uns dann nicht etwas fehlen?

Eine kleine Ode an die Jahreszeiten

Als der Kalender in diesem Jahr auf September umgesprungen ist, habe ich gemerkt, wie mir langsam die Puste aus geht. So schön der Sommer auch war, aber das permant schöne Wetter hat mich angestrengt. Ich gebe zu, dass auch noch ein paar andere Ereignisse ziemlich viel abverlangt haben und es nach wie vor tun. Dennoch. Ich habe diesen Gedanken mal einwenig verfolgt. Dabei habe ich festgestellt, dass mir das schon öfter so ging.  Woran liegt das?, habe ich mich gefragt. Das sind nun meine Erkenntnisse.

Frühling

Eine tolle Jahreszeit. Alles ist frisch. In der Luft liegt der Neuanfang, der Aufbruch. Letzteres kann man gerade an den Bäumen oder an den Knospen der Sträucher gut beobachten. Sie brechen auch auf. Die Natur entwickelt eine wahre Farbenexplosion. Denkt nur mal an das leuchtende Gelb der Forsythien. Die Sonne hat schon wieder Kraft. Sogar das Vogelgezwitscher ist lauter als sonst. Mir macht all das gute Laune.

Es kommt wie es kommen muss. Ich entwickle einen Aktionismus. Neue Gedanken ziehen auf. Geprägt von Neugierde auf Neues. Erlebnisse, Erfahrungen. Dem folgt dann ein Tatendrang, der eine ganze Weile anhält.

Das Fühjahr steht für Pläne schmieden und für Aufbruch. Manchmal auch für Ausbruch. Vieles kommt auf den Prüfstand. Das Meiste bleibt, manches wird tatsächlich verändert. Vielleicht bilde ich es mir ein, aber im Frühjahr gehen oft Beziehungen/Ehen auseinander oder Jobwechsel werden Realität.

Quintessenz:
Planung und Aufbruch, das ist der Frühling.

Sommer

Das volle pralle Leben steht an. Eine wunderschöne Jahreszeit. Alles ist bunt, denkt nur an die helle Vielfalt auf dem Wochenmarkt. Alles erscheint machbar. Die Tage sind lang und es geht doch nichts über laue Sommernächte auf dem Balkon. Bei uns sind dann die Mauersegler wieder da und kreisen in atemberaubender Geschwindigkeit durch das Viertel. Ihre Akrobatik, wie sie in den Mauernischen landen, um das Jungvolk zu füttern, für mich ein Sinnbild für den Sommer pur. Schlafen bei weitgeöffneten Fenstern. Spätestens mit dem Beginn der Sommerferien liegt eine Sommerleichtigkeit in der Luft. Alle Welt redet von Urlaub. Das Rattern der Rollenkoffer übertönt an manchem Morgen das Vogelgezwitscher.

Auch wenn man es eigentlich nicht will, Sommerhitze und Sommergewitter machen den Sommer auch anstrengend, jedenfalls für mich. Tropische Nächte, in denen man nicht durchlüften kann und die Temperaturen nicht unter 20 ° sinken oder aufziehende Gewitter stressen mich. Damit kann ich nicht so richtig gut umgehen. So sehr ich das auch versuche. Und damit trüben sie mein Verhältnis zum Sommer etwas ein. Es klingt ein wenig schräg, das weiß ich. Denn eigentlich will auch ich so viel Sonnenlicht wie möglich tanken, draußen sein und das Leben in vollen Zügen genießen!

Quintessenz:
Leben genießen und Erinnerungen schaffen, das ist der Sommer.

Herbst

Der Ruhespender. Desöfteren habe ich an mir schon beobachtet, dass mir Anfang des Herbstes etwas die Puste ausgeht. Dann stehe ich da und schnaufe nach einem Spurt, um die Straßenbahn noch zu erreichen. Der Herbst als Ausgleich? Als Gegenstück zum Sommer? Kann das sein?

Wenn man wie ich Frühling und Sommer als sehr betriebsam, extrovertiert und bisweilen als laut empfindet. Dann kann das durch aus sein.

Im Herbst wird es leiser (Ausnahme der November, angeblich der Verkehrsreichste Monat des Jahres). Im Herbst kann die Seele zur Ruhe kommen. Wir fahren unsere persönliche Ernte ein. Freuen uns über das gewesene, schauen darauf zurück und staunen darüber, wie sehr die Zeit rennt oder was bisher in diesem Jahr so alles los war. Dankbarkeit liegt in der Luft. Es wird gemütlich. Mich erdet diese Jahreszeit. Sie verbindet mich wieder mit mir selber. Die Lichtstimmungen, die Laubfärbung, das Blätterrascheln und meine große Kastaniensammelleidenschaft, all das trägt dazu bei.

Quintessenz:
Ruhe, Erdung und Dankbarkeit, das ist der Herbst.

Winter

Schön aussehen tut er ja der Winter. Das Fallen der Schneeflocken beobachten. Durch frisch gefallenen Schnee laufen. Frost auf Blättern. Gar keine Frage. Dennoch der Winter ist eine Herausforderung. Insbesondere in Zeiten der Kehrwoche und dem damit verbundenen Winterdienst.

Während der Herbst die Ruhezeit einläutet, kommt man im Winter tatsächlich richtig zur Ruhe. Ich beobachte an mir schon seit Jahren eine Art Rückzug. Dann bin ich furchtbar gerne zuhause. Mach es mir gemütlich. Ich halte inne. Schaue zurück auf Gewesenes, schwelge in Erinnerungen. Besinnlichkeit verbinden ja viele mit Weihnachten. Bei mir geht das etwas darüber hinaus. Diese Phase dauert bis weit in den Januar hinein.

Gerade in den beiden Anfangsmonaten des Jahres schwingt aber auch schon ein Hauch von Hoffnung und Vorfreude mit. Denn das Frühjahr rückt Tag für Tag näher. Morgens erheben die Vögel ihre Stimmen und begleiten mich so zur Straßenbahn. Die Tage werden merklich länger. Alles begibt sich in die Startlöcher und dann bricht er irgendwann los –  der neue Jahreszeitenlauf. Alles auf Anfang, neu und dennoch so vertraut!

Quintessenz:
Innehalten und zurückblicken, das ist der Winter.

Nun wird sicher auch klar warum auch die Jahreszeiten schöne Kategorien für meinen Blog sind. Jahreszeiten und Alltagssterne das passt, finde ich. Im nächsten Beitrag nehme ich Euch nochmal mit durch das Jahr. Monat für Monat ein paar Highlights, die ich wirklich gerne habe und ohne die das Jahr recht trostlos wäre. Seid gespannt!

Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***

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Ein Kommentar bisher - Was sagst du?

  1. Helmut said:

    Moin Anja,
    wundervoll beschrieben! Ja, jede Jahreszeit hat seine Reize. Gäbe es nur eine, z.B. immer nur noch Sommer, wie arm und langweilig wäre die Natur.
    Wenn ich persönlich mich für meine liebste Jahreszeit entscheiden sollte, würde ich den Herbst wählen. Die Natur gibt sich dann so farbenfroh, und vor allem das Meer im Herbst, mal ruhig oft aber auch aufschäumend wild, für mich vor allem an der Nordsee die allerschönste Zeit .
    Herzlichen Gruß,
    Helmut

    25. Oktober 2018
    Reply

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