Weltfrauentag 2018 {Mein Nachruf}

Ich bin wütend. Richtig. Wütend. Schon den ganzen Tag. Also, wenn ich dem Artikel 15 Wege, um als Blogger aus der grauen Masse herauszustechen glauben darf, in der richtigen Stimmung, um einen Blogartikel zu schreiben. Streicht wütend. ICH BIN STREITLUSTIG! Als ich vor ein paar Tagen diesen Artikel gelesen habe, hätte ich nicht gedacht, dass ich diesen Zustand so schnell erreichen würde.

Mein Wecker klingelt morgens immer recht früh. Mein erster Gang führt mich immer an den Wasserhahn, damit ich zwei Sekunden später meine Tabletten nehmen kann. Also erster Handgriff (wenn man vom Wecker absieht) Wasserhahn öffnen, zwei-fünf Tabletteneinnahme, der sechste Handgriff schaltet das Radio ein. Ich habe seit sehr sehr vielen Jahren eine treue Beziehung zum immer gleichen Radiosender. Denn als Morgenmuffel brauche ich einen guten Taktgeber, damit ich pünktlich auf die Bahn komme.

Um sechs und um sieben Uhr kommt da immer Anstöße (eine Art Wort zum Tag) aus der Redaktion Kirche im SWR. Dort gibt es eine Sprecherin, die mich regelmäßig mit der Keule trifft. Morgens um sechs. Denn um sieben sitze ich schon in Bahn Richtung Büro.

Heute am Weltfrauentag war das auch ihr Thema. Das Zeitfenster für diese Ansprache zum Tag ist, das könnt Ihr Euch vorstellen, sehr klein. Deswegen kann ich durchaus Abstriche machen, an dem Gesagten. Es ist kein Raum für weitschweifende Gedanken, das ist mir klar. Man muss sich auf einen Aspekt beschränken, auch klar. Man trifft eine Auswahl. Aber muss das am Weltfrauentag ausgerechnet das Thema Frauenförderung ist Familienförderung sein? Keine Frage ein zentrales, überaus wichtiges Thema. Aber eben eines von vielen! Für mich war das die große Keule. Zentriet. In die Kniekehlen. Es hat mich wieder wanken lassen…

Als alleinstehende Frau ohne Kinder, die gerne arbeitet, komme ich oft in die Lage mich rechtfertigen zu müssen. Mittlerweile immer weniger. Denn mit 47 ist das Thema naturbedingt fast ausgestanden. Aber vor zehn Jahren bin ich oft nach Familie, Mann, Kindern, Eigenheim und der Rückkehr an den Niederrhein gefragt worden. Ich weiß, dass es vielen Paaren mit und ohne Kindern genauso ergeht. Jedes Lebenskonzept, das von Familie, Kind / Kinder, Eigenheim abweicht muss rechtfertigt werden. Ich will das nicht! Weder für die Ehepaare die Teilzeitarbeiten wollen und nicht dürfen, nicht für die Ehepaare, die sich für die Arbeit und gegen Kinder entscheiden, nicht für die Ehepaare, die gerne Kinder hätten, bei denen es aber nicht funktioniert und auch nicht für homosexuelle oder transgender. Schlicht für niemanden! Niemand hat das Recht ein anderes Lebenskonzept, das nicht seinem eigenen entspricht herabzustufen. Jedem das seine, oder?

Zurück zu diesem Radiobeitrag. Die Sprecherin hat, meiner Meinung nach, damit die gesamte Thematik auf die klassischen drei K´s für Frauen reduziert. Die Paare, die sich für den Beruf entscheiden wollen Stress vermeiden. Und alle anderen wurden sowieso nicht erwähnt. Ich denke dann immer an ein Paar, dass gerne Kinder gehabt hätte, wo es biologisch jedoch nicht funktioniert hat. Warum soll man ihnen einen Vorwurf machen, dass sie sich auf den Job konzentrieren. Meine Situation ist anders geartet. Einerseits habe ich den Vater meiner Kinder nie kennengelernt. Andererseits bin ich heute froh darüber. Dafür gibt es wichtige Gründe, die hier aber keinen Nennung finden werden.

Wäre sie nur bei der Aufzählung geblieben, was für die heutigen jungen Frauen alles möglich ist im Gegensatz zu ihrer Mutter. Aus meiner Sicht hat sie damit den Frauen dieser Welt keinen Dienst erwiesen, aber darüber lässt sich sicher vortrefflich streiten.

Ich bin dann mit 180 ins Bad und habe mich angezogen. Dann kam ein Radiobeitrag über die Thematik, dass Frauen für die gleiche Arbeit immer noch nicht gleich bezahlt werden wie Männer. Darin wurde eine Studie zitiert, die unter anderem zu der Erkenntnis kam, dass Männer mit Bauch besser bezahlt werden als Männer ohne Bauch. Bei Frauen sei das anderes herum. Ich hab wirklich geglaubt ich höre nicht richtig. Mag sein, dass da jemand das Thema nicht ernst genommen hat. Früher konnte ich mit dem Thema Weltfrauentag auch nicht viel anfangen bzw. war sehr ambivalent dem gegenüber. Mit zunehmenderem Alter (und den entsprechenden Erlebnissen / Erfahrungen) finde ich den Weltfrauentag immer wichtiger. Aber solche schnodderigen Auseinandersetzungen mit dem Thema sind wirklich nicht hilfreich (auch nicht für die Männer mit Bauch)! Was sagt mir das jetzt? Ich bin eine Frau mit Bauch, also eine gute Bezahlung nicht wert? Der doppelte Mops? Ehrlich ich kann das nicht ergründen.

Polarisierung egal in welcher Hinsicht ist mir wirklich sehr zu wider. Das Aufstacheln von Fronten führt doch nur zu verhärteten Fronten. Brauchen wir nicht alle inspirierende Impulse? Gute Gedanken? Ist dabei unser Geschlecht, unsere Herkunft, Weltanschauung -oder was auch immer- völlig egal? Wir sind alles Menschen. Mit den gleichen Rechten. Es ist wichtig, dass anzusprechen was falsch läuft oder wo man nachjustieren muss. Dass muss diskutiert werden und dafür muss es Lösungen geben. Gewalt (gegen Frauen) geht nicht! Es ist schlimm genug, wieviele dies erleben müssen und dies erlebt haben. Insgesamt geht Diskriminierung überhaupt nicht. Nicht nur die geschlechtsspezifische. Lasst uns doch lieber überlegen, wie wir miteinander leben wollen. Jeder auf seine Weise, aber immer als eines von Millionen kleiner Zahnrädchen, die ineinandergreifen. Wenn eines fehlt, dann haken alle anderen auch!

Die „Me-Too“-Bewegung hat doch letztlich gezeigt, dass das Aufstehen und Gesicht zeigen eine wirklich gute Strategie ist. Tabuisierung hilft nicht. Auch die Klappe halten nicht. Ich wurde noch so erzogen. Nach dem Motto „Halt den Mund, denn Du weißt nie, wie es Dir ausgelegt wird und welche Konsequenzen drohen“. Heute halte ich meine Klappe nicht mehr. Sage was ich denke. Damit eckig ich an. Damit gelte ich als zickig. Diese Einschätzungen treffen mich für zwei Sekunden, aber in der dritten kann ich mich wieder im Spiegel ansehen.

Wie heißt es doch: Everbodys darling, is everbodys ar…..! Ich für mich, will das nicht mehr. Ich will nicht weichgespült sein. Es nicht mehr allen recht machen. Will nicht mehr angepasst sein. Sondern mit Ecken und Kanten und einem eigenen Kopf. Mit einem eigenen Lebenskonzept und nicht mit der 20ten Neuauflage des Konzepts meiner Vorfahren. Vor allem aber immer authentisch und zu 100% Anja.

Mehr Pippi und weniger Annika! In diesem Sinne…

 

Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***

 

P.S.: Ich glaube ich sollte mir einen neuen Radiosender suchen!