Föhr Gedankensplitter

Inselwind im Haar {Bloggen mit Herz}

bloggenmitherz, rausausderroutine

Endlich bin ich auf Föhr. Meinem Sehnsuchtsort der letzten Monate. Dem Rettungsanker meiner stürmischen Gedanken. Das Inselabenteuer ist Realität geworden.

Das metallische Kratzen eines Rechens im Kies bricht sich im knisternden Rauschen der Eichenblätter. Ich weiß nicht, wann ich das zuletzt hörte. In der Stadt kennt man nur  Laubpuster, der die Nachbarschaft beschallt.

Ein stiller Zeitgenosse hat sich auf der Armlehne des Gartenstuhls niedergelassen. Lautlos flog er herbei und trotzt bewegungslos dem Inselwind, die Beine unter der Körper gezogen. Ob er noch lebt, dieser kleiner Bote aus Sommerzeiten?

Der Kies unter meinen Füßen macht meine Bewegungen hörbar. Die kehligen Muhen der Kühe nebenan unterbrechen meine Gedanken. Und so wie der Wind die Wolken vorantreibt ziehen meine Gedanken vorbei. Mein Blick wandert zum Horizont. Hinweg über das satte Grün der Felder. Über dem Wäldchen ziehen Krähen ihre Kreise. Hier auf der Insel klingen ihre Stimmen, wie eine wohlwollende Melodie und nicht wie harte Laute. Ist hinter dem Wäldchen die See?

Ich wünsche mich dorthin. Zu den Möwen und dem gleichförmigen Klatschen der Nordsee beim Anlanden am Strand. Zum Strandgut sammeln und Seele baumeln lassen. Die Luft tut gut. Mit jedem Atemzug durchdringt sie mich. Zug um Zug erfüllt mich eine Klarheit, wie lange nicht. Hier bin ich ich. Ganz pur. Ungeschminkt.

Der Ballast der letzten Monate fiel schon bei der Anreise mit einem lauten Platschen ins Meer. Ich hoffe er bleibt dort.

Aus der Tenne tritt das Lachen der Bloggerkolleginnen gegen den Inselwind an. Es zieht mich hinein und doch mag ich mich nicht vom Inselwind, der meinen Körper und meinen Geist abkühlt, nicht trennen. Noch nicht. Noch ein kleines Weilchen den Wind im Haar spüren.

Neben mir fällt ein Blatt auf den Tisch. Der Ton ist erstaunlich, wie das Zerschellen von Glas auf den Küchenfliesen. Hinter mir wird es laut. Ein Laster? Nein, es ist ein Trecker mit Anhänger.

An den Baumstämme vor mir, haben wir eben unser Gruppenbild gemacht. Die Feuerstellen dahinter erzählen Geschichten von Feuer und Geselligkeit. Von Frühjahr und Herbst. Verrostet stehen sie da. Man meint, das letzte Feuerprasseln hören zu können. Flink krabbelt eine kleine filigrane schwarze Spinne heran. Sie scheint neugierig zu sein.

Der Wind zerrt an den Blättern meines Notizbuchs. Er pfeift in meinen Ohren und zerzaust mein Haar. Die Tür zur Tenne öffnet sich. Jemand tritt heraus. Ich bleibe regungslos sitzen und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Sie finden ihren Weg vom Kopf durch den Stift auf das Papier. Das Kratzen des Bleistifts kann sich kaum gegen den Inselwind durchsetzen. Er zieht an meinem Schal und meinem Rocksaum. Der Aschenbecher hinter mir klappert. Das muntere Stimmengewirr dringt wieder heraus aus der Tenne. Leben – buntes Leben dort drinnen! Ich gönne mir noch einen letzten Moment mit dem Inselwind.

Dann bin ich wieder alleine hier draußen. Allein mit meinen Gedanken. Alleine mit Föhr. Ein nicht identifiziertes tierisches Flugobjekt überfliegt mich schimpfend. Gefolgt von einem Motorflugzeug, das mich an meine Balkonsonntage im Sommer erinnert. Zuhause ist soweit weg.

Langsam gewinnt die Sonne den Kampf mit den Wolken und bricht durch sie hindurch. Auch dieser Kampf ist hier auf der Insel schier hörbar. Eine Wespe brummt an meinem Ohr vorbei und erinnert an den Sommer. Ich meine das Kinderlachen zu hören, das hier in den letzten Woche gelacht wurde. Mit Sicherheit hatten sie hier im Kies oder in der Sandkiste des Hoftel Föhr ihren Spass.

Und doch… Es ist Herbst und der Wind wird langsam aufdringlich. Will er mich vertreiben? Die Füße werden kalt, die Hände klamm!!!

Ein Auto knirscht im Kies. Pötzlich bin ich zurück im Jetzt und gehe hinein. Lautstark knurrt mein Magen.

Lasst Eure Alltagssterne leuchten, Anja***

 

über

Hallo, ich bin Anja, die Alltagssternesammlerin aus Stuttgart. Den größten Teil meines Alltags verbringe ich im Büro. Aber auf dem Weg dorthin oder auf dem Heimweg bin ich sofort wieder im Sammelmodus. Ich mag die schönen Dinge des Lebens, schreibe und lese gerne, interessiere mich für alles mögliche und liebe Kaffee.

  1. Liebe Anja,

    was für ein wundervoller Text! Mit so viel Gefühl und tollen Worten. Wenn ich nicht selbst dabei gewesen wäre, hätte ich jetzt den Eindruck, dass dies wirklich ein tolles Wochenende war. Danke dafür. 🙂

    LG und Dir eine schöne Woche,
    Sanna

    • Liebe Sanna,
      freut mich, dass ich meine Eindrücke transportieren konnte. Ja, es war ein super schönes Wochenende, das mich noch lange erfüllen wird und einen oberen Platz meiner alltime-favorites bekommt.

      Dir auch eine schöne Woche, liebe Grüße ins Rheinland…
      Anja

  2. Hach, liebe Anja, was für ein schöner Text. Ich hoffe, dass das Föhr-Gefühl uns alle noch eine Weile erfüllt… Schön, dass wir uns kennengelernt haben. Alles Liebe, Fee

    • Liebe Fee, Danke. Es freut mich, dass Dir mein Text gefällt und dass wir uns kennengelernt haben. Wäre wirklich schön, wenn die Föhr-Welle noch eine Weile trägt.
      Dir auch alles Liebe…

      Alltagssternegrüße
      Anja***

  3. Liebe Anja,

    sehr schön geschrieben und das Gefühl des Wochenendes einmal ganz anders eingefangen, wirklich toll! Vielen Dank auch für deinen Kurs zum kreativen Schreiben, den ich echt total inspirierend fand (:

    Alles Liebe,
    Laura

    • Wie mich das freut… Danke, liebe Laura!
      Ich wünsche Dir, dass aus den Inspirationen Ideen werden. Viel Spaß dabei!

      Alltagssternegrüße,
      Anja***

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: